Marktbesuch im Eine-Welt-Laden

Ein Stück Faire-Welt (Waren) auf knapp 50 Quadratmetern

 

Nach dem sonntäglichen Bummel über den Mittefastenmarkt sollten Besucher und Besucherinnen nicht versäumen, noch einen Abstecher zum Eine-Welt-Laden in der Frontenhausener Straße zu machen. In dem kleinen Geschäft warten gute, hochwertige Produkte - fast aus der ganzen Welt - auf interessierte Käufer. Die Mitarbeiterinnen haben Kostproben von Kichererbsenmus und Auberginenpüree im Angebot und wenn es das Wetter zulässt, endet am Marktsonntag die Winterpause für das "Laden-Cafe". Mann oder Frau können bei einer Tasse fairen Kaffee und einem Stück Gebäck den Marktbesuch gemütlich ausklingen lassen.

 

 

 

Im Laufe der letzten Jahre hat sich der kleine Eine-Welt-Laden zu einer festen Größe in Vilsbiburg entwickelt. An traditionellen Markttagen, beim Weihnachtsmarkt im Urbanhof oder bei den Gesundheitstagen - immer sind die Damen vom Fair-Laden mit einer bunten Palette ihres mittlerweile ziemlich umfangreichen Angebotes vertreten.

Dabei ist die ganze Fair-Handels-Idee noch recht jung und man findet ihre Anfänge, zumindest in Europa, erst in den 1960er Jahren. Radikale Studenten begannen, internationale Konzerne zu kritisieren, das weltweite Modell der freien Marktwirtschaft wurde zunehmend angegriffen und Ideale des Fairen Handels entwickelt. Der Preis von Waren sollte mit den tatsächlichen Kosten direkt verbunden sein und alle Hersteller sollten Anspruch auf fairen und gleichen Zugang zu den Märkten haben. Der Slogan dieser Zeit lautete "Trade not aid" auf Deutsch "Handel statt Hilfe".  

Das Argument ist heute so aktuell wie damals, als im April 1969 im niederländischen Breukelen der erste Weltladen eröffnet, der im Einzelhandel Produkte aus "unterentwickelten Regionen" anbot. Der Laden wurde von Freiwilligen betrieben und war so erfolgreich, dass bald dutzende ähnlicher Verkaufsstellen in den Beneluxstaaten, der Bundesrepublik Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern entstanden. Die Produkte, die in diesen Läden angeboten wurden, waren ausschließlich handwerklicher Art, es dauert noch bis 1973, dass, wieder in den Niederlanden, der erste fair gehandelte Kaffee verkauft wurde.

Leider flaute die anfängliche Euphorie, fairgehandelte Produkte zu kaufen, relativ schnell wieder ab - die Handwerkserzeugnisse wirkten zu altmodisch. Um die Krise zu überwinden mussten neue Ideen her, Waren aus der Landwirtschaft sollten den Fairen Handel retten. Neben dem bereits bekannten Kaffee tauchten Tee, Kakao, Zucker, Reis, Gewürze und Nüsse in den Regalen auf und Anfang 1996 erweiterten Schokolade und Kakaoprodukte mit dem Fair-Siegel das Angebot.

Die Palette der Waren wuchs ständig und die kleinen Welt-Läden bekamen plötzlich Konkurrenz von großen Konzernen und Handelsketten - im Otto-Katalog vom Herbst 1997 wurden unter "Schöner schenken" auf zwei Seiten GEPA-Produkte angeboten.  

Heute besteht der Faire Handel hauptsächlich aus landwirtschaftlichen Gütern, die von Entwicklungsländern in Industrieländer exportiert werden. Das Angebot der Fairhandelsimporteure umfasst neben den bereits genannten klassischen Produkten auch Wein, Säfte, Bananen und weiteres frisches und getrocknetes Obst, frische Blumen, leckeres Naschwerk und vieles mehr. In den Welt-Läden stehen schöne Geschenkartikel und zunehmend auch Gebrauchsgegenstände die in kleinen Handwerksbetrieben gefertig werden, zur Auswahl. Und alles wird unter Einhaltung der Menschenrechte hergestellt. Das bedeutet: Keine Kinderarbeit und keine Sklaverei in der Produktion, dafür Zahlung eines festgelegten fairen Preises, der die Produktionskosten deckt und die Existenz, auch kleiner Betriebe, sichert.

Die Mitarbeiterinnen vom Eine-Welt-Laden in der Frontenhausener Straße halten für den Marktsonntag neben der klassischen Befüllung für das Osterkörbchen, bestehend aus Schokoladenhasen und Schokoeiern, auch hübsche Kleinigkeiten für die österliche Dekoration bereit. Die angebotenen Probierhäppchen kommen diesmal aus dem Nahen Osten, genauer aus dem Libanon. In dem "facettenreichen Land zwischen Orient und Okzident" gehören Hummus (Kichererbsenmus) und Baba Ghanoush (Auberginenpüree) fast zu jedem Essen. El Puente bezieht diese Spezialitäten die gut zu Fladenbrot und gegrillten Fleischgerichten passen, von "Fair Trade Lebanon" - dem Partner vor Ort für die Kleinbauern-Kooperativen und Familienunternehmen. Dank begleitender Beratung und Unterstützung wurde vom Fairpartner ein neues Bewusstsein für traditionelle Anbautechniken und Rezepte geschaffen.

Aufmerksam machen wollen die Ladendamen auch auf die neuen Quinoaprodukte aus Bolivien. Das "Wunderkorn der Inka" ist als Bio-Mehl erhältlich und eignet sich als Zutat für glutenfreie Backwaren und Pfannkuchen, in Flockenform für Müsli, Porridge und Panade.

 

Wer Fragen zum fairen Angebot hat, wird nicht nur am Marktsonntag gern und ausführlich beraten. Voraussetzung: Einfach mal vorbeischauen!

 

Evelyne Betz

 

Der Eine-Welt-Laden hat am Marktsonntag von 12.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Die normalen Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag 9.00 bis 18.00 Uhr und am Samstag von 9.00 bis 12.00 Uhr.